INTERVIEW: Nico Laska – "Ich finde es wichtig, seine Fehler zu feiern"

von Alisa Knoll  |  21. November 2025

Der Musiker Nico Laska veröffentlicht am 21.11.2025 sein zweites Album "BLUE" über Munich Warehouse. Im gewohnten Mix aus Pop und Alternative bringt der Künstler durch authentisches und tiefblickendes Storytelling zum Vorschein wie sehr er in den letzten Jahren sowohl künstlerisch als auch persönlich gewachsen ist. Nico Laska beschreibt Momente, in denen der Mut verloren geht, aber auch davon wie man ihn durch seine Mitmenschen wieder gewinnt.

 

Dies haben wir zum Anlass genommen, um vor dem Release mit ihm über das neue Album, die Hürden im Entstehungsprozess und das Songwriting zu sprechen.

(c) Foto: Marvin Contessi
(c) Foto: Marvin Contessi

OV: Schön dich auf diese Weise zu sehen und zu sprechen.

Nico: Gleichfalls.

OV: Wie geht’s dir so kurz vor Release? Bist du aufgeregt?

Nico: Ich bin sehr unter Strom, aber nicht aufgeregt. Ich glaube, ich habe alle Erwartungen abgelegt und habe einfach gemacht worauf ich Lust hatte. Jetzt geht ja nicht nur am Freitag das Album online, sondern die Tour startet am Samstag und dafür gibt es einfach noch unglaublich viel zu tun. Wir haben beim letzten Album schon sehr viel selbst gemacht und jetzt machen wir noch mehr selbst. Gerade bin ich dabei noch ein Musikvideo zu schneiden, was wir spontan gedreht haben, was alles andere wird als Highclass, aber es ist einfach ‘n Dude mit ‘ner Kamera und ‘n Dude vor der Kamera und jetzt machen wir das Beste draus. Das zieht sich so bisschen durch den ganzen Prozess, dass ich versucht habe noch mehr bei mir zu lassen. Ich hab dieses Mal das Album selbst designed, das Booklet, jeden Text, jedes Foto was man sieht wurde von mir bearbeitet, die Farbe, der Hintergrund, das ist einfach sehr viel und deswegen bin ich gerade sehr unter Strom; aber werde sehr glücklich sein, wenn es am Freitag einfach rauskommt und dann in der Welt ist. Es wird Dinge geben, die nicht perfekt sind und es wird Dinge geben, die schiefgehen, aber dann kann man zumindest nichts mehr dagegen tun. (lacht)

 

OV: Fällt dann schon am Freitag (Releaseday) die Last ab oder mit dem Tourstart (Samstag)?

Nico: Ich glaube Donnerstag auf Freitagnacht, wenn das Album draußen ist. Wir proben Montag und Dienstag, dann gibt es noch viel bis zum Release zu tun, aber wenn das Album draußen ist, dann ist es draußen. Die Show an sich ist das Wenigste, worüber ich mir Gedanken mache, weil ich weiß dass meine Mitmusiker Karan und Michi so talentiert sind, da brauche ich mir keine Gedanken machen.

OV: Wodurch hebt sich “BLUE” zum ersten Album “NI/CO” ab?

Nico: Das erste Album war oft unter dem Schutzschild der Vergangenheit geschrieben. Es war eine klare Abgrenzung zwischen dem 16 und 21 - jährigen Nico. Das hat eine gewisse Distanz zu den Themen gebracht, die mir beim Songwriting oft geholfen hat, sehr ehrlich und verletzlich zu sein, weil es ja schon passiert ist. Bei “BLUE” habe ich versucht, dass man aus mehreren Sichtwinkeln lesen kann und habe Themen, die mich beschäftigen, egal was es war, immer versucht unter dem Deckmantel einer romantischen Beziehung zu verstecken. Man könnte das Album als Ganzes hören und sich verschiedene Songs anhören, wie z.B. "Heartstrings" oder “Lonely Forever Pt.2” und man könnte sich denken “Ahja klar, der weint seiner Ex Freundin nach.” 

Aber das war’s nie. Ich habe immer versucht, andere Emotionen in einer Geschichte zu verpacken, unter dem Mantel einer romantischen Beziehung zu verstecken. Das liegt ein bisschen daran, dass ich immer irgendwas brauche, hinter dem ich mich verstecken kann, um mich so gut wie möglich auszudrücken und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Den kleinen Filter nach außen brauche ich immer. Ich weiß ja genau, was gemeint ist. Das ist der größte Unterschied zwischen “BLUE” und “NI/CO” – dass “NI/CO” die Vergangenheit betroffen hat und bei “BLUE” die Songs immer in Momenten geschrieben wurden, in denen ich es gerade frisch gefühlt habe. Wenn ich mir im Nachhinein das Intro “NL” anhöre, der war halt total im Affekt geschrieben. Rückwirkend würde ich jetzt über die Musikindustrie vielleicht nicht so aggressiv denken, aber in dem Moment hab ich es einfach runter geschrieben, deshalb ist es ein bisschen undistanzierter als “NI/CO” aber auch ein bisschen unreflektierter, weil es einfach immer das rohe Gefühl ist. (lacht) 

 

OV: Interessant. Ich habe es beim ersten Mal hören auch so wahrgenommen: “Oh man, der arme Kerl, ein ganzes Break Up Album", aber interessant, dass es eigentlich facettenreicher ist.

Nico: Es ist ein Break Up Album, aber nicht mit nur einer Person.

OV: Letztes Mal war die Albumfarbe Rot. Dieses Mal ist Albumfarbe UND Titel Blau. Es fällt oft auch das Wort “Blue” in den Lyrics. Ich verstehe es als eine Art Metapher. Was ist das Blau für dich? Ein positives oder ein negatives Gefühl?

Nico: Negativ. Die Farbe stand fest, als ich wusste, dass der Hintergrund das Cover ist in Photoshop das rote Album ins Negativ gedreht. Das Konzept hab ich schon ganz lang gehabt, bevor ich überhaupt wusste, worüber ich schreiben möchte, bevor die Geschichte stand, die cohesive mit dem Album geht, war schon klar, das Cover wird auf jeden Fall so aussehen. Es hat natürlich auch ein großer Batzen Content in dem Album, wenn man sich vorstellt, okay, das ist das Negative vom Rot. Wenn wir ganz ehrlich sind, dann war im ersten Album so viel Hoffnung drinnen, so viel, was ich mir vorgestellt und mir gewünscht habe. Dann habe ich das rausgebracht und habe eine großartige Tour gespielt und danach sind so viele Dinge passiert, wie Festivals wollten mich nicht, ich habe mich von meiner Bookingagentur getrennt… Ich habe gemerkt, ok irgendwie ist es doch nicht so “erfolgreich” wie ich es mir am Anfang vorgestellt habe. All das hat quasi perfekt gepasst, dass das Rot positiv und das Blau negativ war, weil ich mental an ‘nem viel düsteren Punkt war, als ich das Album angefangen habe zu schreiben.

Als ich in Neuseeland war und das Album geschrieben habe, habe ich in der Pizzeria von meinem Freund Joseph gearbeitet. Er hatte einen Freund zu Gast, der total traurig war und ich hab das gar nicht so gemerkt, aber da meinte Joseph zu mir “He looked blue” und da war ich so “Hä, wie?”. Dann hat er mir erklärt, dass wenn jemand blue fühlt, traurig, depressiv bedeutet.  In dem Moment stand für mich fest, okay, so heißt das Album. Das ist genau das, was ich gerade fühle. Dann hat zufällig dieser Satz mit der Farbe, die ich schon gepickt hatte, gepasst. Damit stand das Konzept vor zwei Jahren.


OV: Dann hast du mir auch schon die Frage beantwortet, in welchem Zeitraum wir uns da gerade befinden, wann das alles in Rollen gekommen ist, oder?

Nico: Ja, genau so vor zwei, drei Jahren. Mitte 2022 habe ich angefangen zu checken, das läuft gar nicht so, wie ich mir das wünsche. Die ersten Songs sind auch sehr chronologisch geschrieben. NL war der erste Song, den ich für das Album geschrieben habe. BLUE war nicht der letzte Song, den ich geschrieben habe, aber der letzte Song, den wir aufgenommen haben. Es war mir wichtig, dass wir da eine kleine Linie drinnen haben. Dann musste ich hier bisschen durchatmen, bin nach Neuseeland geflogen und habe Urlaub gemacht, habe den Großteil des Albums geschrieben.

 

OV: Was schätzt du an der Zusammenarbeit mit deinen Mitmusikern, also sowohl mit der Live-Besetzung, als auch mit Karan und Joseph im Studio?

Nico: Da ist mittlerweile ein sehr großes Vertrauen ihrerseits. Wenn ich mir die erste EP anschaue, die wir zusammen gemacht haben, das ist dasselbe Team seit Tag 1, dann ist damals die "FINE" EP über meinen Kopf hinweg entstanden, ich hatte die Songs geschrieben und wir hatten drei Tage Zeit für alles und jeder war so “Jetzt machen wir das, dann das und ich war so “Okay?”. Mit jedem Album mehr wurde das Vertrauen und die Gleichberechtigung mehr. Ich weiß genau, wenn ich zu Michi sage, kannst du da Schlagzeug aufnehmen, was wir nicht in einem Raum gemacht haben, sondern Michi hat das bei sich gemacht, dann vertraue ich ihm, dass die Files, die Beats so kommen, dass es geil ist. Dieses Vertrauen war schon von Anfang an und ich glaube bei dem Album habe ich es geschafft, das Vertrauen anderweitig in die andere Richtung zu erarbeiten, so dass es dieses Mal - dass ich schätze ich wirklich an allen - Ego loses arbeiten war. Es war immer ein “Hey Nico, was denkst du?” und wenn ich einen Tipp wollte, den wollte ich tausendfach, dann habe ich immer einen guten Ratschlag bekommen. Wenn ich nicht ihrer Meinung war, dann war es immer cool für alle und das schätze ich total an allen. Besonders an Karan und Joseph, weil mit ihnen hab ich am intensivsten am Album gearbeitet habe. Weil ich es von anderen Künstler:innen anders kenne und anders gehört habe und da bin ich super privilegiert, dass ich Menschen um mich herum habe, die mich einfach mich sein lassen und mich unterstützen. Das gibt mir alles.

(c) Foto: Marvin Contessi
(c) Foto: Marvin Contessi

OV: Gab es dann überhaupt große Hürden im Entstehungsprozess?

Nico: Es gab auf jeden Fall Hürden. Die Hürde, dieses Mal war vor allem lyrisch. Das alles so entstehen zu lassen, Geschichten umzuwandeln, dass man sie aus verschiedenen Perspektiven hören kann. Super viele Songs gehen an die Menschen, die meine Musik hören, also an die Nico Laska Gang. Plötzlich schnappe ich diese ganze Gruppe von tollen Menschen und packe sie in eine Geschichte, die man als romantische Beziehung lesen kann. Die Zweideutigkeit da drinnen ist super wichtig gewesen. Wir haben die letzte Zeile eingesungen, bevor ich wusste, dass BLUE das Letzte wird, was wir einsingen. Es gab den Song Your Town, bei dem noch eine Zeile gefehlt hat, bei der ich Wochen rumgemacht habe. Wir haben sie am Tag, an dem BLUE Abgabe hatte, gerade noch so vorher eingesungen. Eine Herausforderung war es trotzdem, aber die Menschen, um mich rum darauf zurückzukommen, haben mir die Herausforderung so einfach wie möglich gemacht.

OV: Beende folgende Sätze:

  • BLUE klingt nach…

Nico: Popternative

  • Wenn BLUE ein Film wäre..

Nico: Dann würde ich mir wünschen, dass man ihn bis zum Ende schaut.

  • Auf Tour bin ich…

Nico: glücklich

  • Eine Nico Laska Show ist…

Nico: eine Zelebrierung der eigenen Fehler.

OV: Du hast es neulich auf Social Media angesprochen, dass es den Nico und den Nico Laska gibt, der selbstsicherer und more outgoing ist. Aber was haben sie denn gemeinsam?

Nico: Die ergänzen sich. Ich würde sagen, dass nicht einer ohne den anderen geht. Ich war schon immer ein Mensch, der sehr gerne im Mittelpunkt stand, wenn er sich wohlgefühlt hat und es gehasst hat, sich in den Mittelpunkt zu stellen, wenn er sich gerade nicht wohlfühlt. Nico Laska ist Nicos Schutzschild – eine kleine Barriere dazwischen, die ich brauche, um eben so ehrlich und verletzlich zu sein, wie ich es bin. Wenn Leute Nico Laska scheiße finden, dann ist das in Ordnung, aber wenn sie Nico scheiße finden, dann tut mir das weh. Das ist so ein bisschen ‘ne Unsicherheit von mir. Es ist nicht so, dass ich auf die Bühne gehe und Nico Laska bin. Ich bin jetzt auch Nico Laska. Ich benutze ihn als eine Hülle und füttere ihn mit Informationen, die er braucht, um Musik zu machen. Es ist so bisschen eine Egal-Einstellung. Wir haben super viel gemeinsam, wir sind dieselbe Person, aber immer dann, wenn ich mich bisschen verletzlich mache und öffne, dann schaffe ich diese Barriere davor.

 

OV: Was denkst du oder ist für dich das Setting, eine gute Situation um in das Album einzutauchen?

Nico: Es kommt darauf an, wer es hört. Zum Beispiel jemand, der mich nicht kennt, dem würde ich es ganz anders vorschlagen, als jemand, der meine frühere Musik kennt. Für die Menschen, die meine Musik bereits kennen, würde ich sagen Donnerstag 23:59 Uhr, leg dich ins Bett, mach Kopfhörer rein und höre das Album einmal von vorn bis hinten. Das ist mir bei allen Projekten immer so wichtig, das machen natürlich super wenige, aber für mich hat das einen Sinn, dass die Songs da sind, wo sie sind und ich würde mir wünschen, dass Menschen es einmal am Stück hören. Dann entscheiden, was einem am besten gefällt. Weil ja auch so viel drinnen ist, so viele Songs, wo man nicht erwarten würde, die sind auf dem selben Album. Genremäßig war ich ja schon immer ein kleiner Grashüpfer. Da spiele ich dann aber auch mit Absicht mit. Einen Song wie Villain in Your Story und Lonely Forever Pt.2  direkt hintereinander zu haben ist natürlich Kulturschock, aber ich wollte den an der Stelle haben, um am Ende mit BLUE das Ganze abzurunden.

 

OV: Ich finde, das Album muss man als Ganzes gehört haben, um es zu verstehen, aber die Songs funktionieren auch gut alleine, weil sie teilweise ebenso facettenreich sind.

Nico: Das ist voll schön zu hören, danke! Darauf habe ich auch bei fast allen Songs geachtet – bei “BLUE” habe ich nicht darauf geachtet. Ich habe bei vielen Songs schon darauf geachtet, dass sie leicht hörbar sind. Beim “NI/CO” Album war es so, dass sie leicht hörbar geschrieben wurden und diesmal war es so, dass die Songs schon eher stressiger und komplizierter geschrieben wurden, deshalb haben wir in der Produktion versucht, es uns ein bisschen leichter zu machen. Your Town ist auch eigentlich ein Song, der im 6/8 Takt geschrieben ist – komplizierter. Wir haben es versucht, ein bisschen zu verschleiern.

 

OV: Ich finde trotzdem bist du oder ihr dem “Nico Laska Schema” treu geblieben, also dass die Songs inhaltlich traurig klingen, aber man sich erwischt, wie man Bock bekommt zu tanzen, obwohl das Traurigste gesagt wurde. (beide lachen)

Passiert das bewusst, ist das deine Art Songs zu schreiben?

Nico: Es ist nicht meine Art, Songs zu schreiben, aber ich liebe es. Die Songs sind alle auf der Gitarre oder dem Klavier entstanden und da klingt ein “I don't feel okay” auch furchtbar traurig, aber ich mag’s total gerne genau so was zu machen, dass jemand dazu tanzt, wie ich erzähle wie ich gerade nicht glücklich bin. Ich mag das in anderer Musik. Die Band AJR macht es ganz oft, dass sie Texte haben, wo du dir denkst “Wozu tanze ich da gerade?” Das “NI/CO” Album war ja ähnlich und in dem Album ist es wirklich sehr extrem. Die erste Single ist eigentlich ein Dance Song, aber er heißt eben “I don't feel okay” (lacht)

 

OV: Ja, aber es hat was Empowerndes. Ich glaube, das passt auch zu der Antwort, wie du eine Nico Laska Show beschreibst.

Nico: Genau. Menschen werden immer mehr aware, gehen in Therapie, achten auf ihre Mental Health. Das ist super. Ich finde das was ganz Großes und Tolles. Ich finde es nur schade, wenn man da negative Dinge draus macht. Wir alle haben etwas, was uns mal gebrochen hat, was uns nicht gut tut oder womit wir uns mental beschäftigen. Sich damit zu beschäftigen ist die eine Sache und wichtig, aber auch anzuerkennen, dass der Prozess zu einem gehört, das finde ich total wichtig. Ich zB bin ein verpeilter Typ und ich versuche ein weniger verpeilter Typ zu sein. Trotzdem feier ich mich und es ist okay, dass ich ein verpeilter Typ bin, währenddessen ich es trotzdem ändern möchte. Es gehört ja trotzdem zu mir. Ich finde es wichtig, seine Fehler zu feiern.

OV: Für welchen Song schneidest du das Musikvideo?

Nico: Es ist übertrieben es Video zu nennen (lacht) Es sind einfach Schnittbilder zu NL

 

OV: Ich hatte bei Your Town eine Musical-Szene vor meinen Augen, dass man das dramatisch inszenieren könnte.

Nico: Oh schön, ich liebe Musicals!

Your Town war der letzte Song, den wir geschrieben haben. Ist auch der einzige Song wo jemand anders mitgeschrieben hat, der Damian Ketteler, mit dem hab ich auch one night talk geschrieben. Wir waren in Berlin, da haben wir die ersten zwei Strophen und den Chorus gemacht und wollten den Song eigentlich enden lassen, um einen kurzen Song zu schreiben. Your Town könnte man auch als Beziehungsgeschichte lesen, aber ist zu 100% ein Song für die Leute, die meine Musik hören - für die Gang. Der Gedanke war, dass wir auf Tour gehen. “Run every mile from my hometown to your hometown ‘cause somehow you make me feel better.” Deswegen heißt sie auch 'I'm better now’ - Tour. Dann wäre ich fast nicht auf Tour gegangen, weil wir niemanden gefunden haben der die Tour veranstaltet und das hat mich so traurig gemacht, dann hab ich die zweite Hälfte noch in der Nacht hingeklatscht und hab Ärger von Karan bekommen, weil wir eigentlich andere Sachen hatten, die fertig werden mussten. (lacht) Your Town ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Wir werden die Show damit beginnen und auch damit beenden. Einfach weil es ein Song ist, der mir unfassbar viel bedeutet. Ich glaube nicht, dass Menschen, die meine Musik hören, wissen, was es bedeutet, dass sie meine Musik hören. In Berlin wurden 18 Tickets verkauft. Für mich sind 18 Menschen, die seit Tag 1 ein Ticket haben, viel mehr wert als hundert Leute, die in eine Bar gehen, weil da Live Musik spielt. Für diese Menschen ist der Song.

 

OV: Wie kann man dich unterstützen, dass noch mehr Leute zur Tour kommen?

Nico: Ich gebe alles, was ich habe. (lacht) Es gab ein Meeting mit meinem Booking Agenten, mit dem ich das erste Mal zusammen arbeite, und ich habe eine Mail mit den Ticketzahlen bekommen und wusste, das ist eine Katastrophe. Ich kam in das Meeting rein zusammen mit Mario, meinem Manager und meinem Agenten, und meinte: “Ich habe heute Nacht nicht geschlafen, wenn es so sein muss, dann sagen wir die Shows ab!” Aber ich will die drei Shows spielen. Er meinte: “Niemand hat was von Absagen gesagt, ich hab Bock. Ich habe auch kein Problem, Geld zu verlieren." Aber wir haben alle Bock, wir wollen spielen! Ich werde die ganze Tour für mich vloggen. Wenn, und da glaube ich fest dran, in zwei, drei, vier, fünf Jahren eine Tour ausverkauft ist, dann poste ich eine Dokumentation und schneide diesen Vlog da rein! Jetzt separiere ich wieder in Nico und Nico Laska, weil ich nicht nur an die Musik glaube, sondern auch, wofür Nico Büchle und Nico Laska stehen, nämlich eben für das Zelebrieren seiner Fehler. Irgendwo gibts immer jemanden der denselben Scheiß durch macht wie du und wenn man da offen drüber spricht oder es nicht verheimlicht, jemandem anderen vielleicht helfen kann, dann ist das bisschen die Pflicht. Jetzt diese Tour zu spielen, aber nicht so zu tun, als wäre sie perfekt, sondern einfach nur zu sagen so und so ist es, ermutigt vielleicht irgendwo einen anderen kleinen Nico Laska, der gerade dabei ist seine Tour abzusagen, es vielleicht auch einfach zu machen.

 

Nico: Danke dir, dass du dir Zeit genommen hast trotz meinem Chaos.

OV: Gerne. Ich wünsche dir viel Erfolg mit dem Album und ich kann mir gut vorstellen, wenn das Album erst mal draußen ist, dass da noch ein, zwei Nachzügler:innen sind, die sagen “Na gut dann geh ma doch zur Show”.

Nico: "Na gut, dann geh ma doch zur Show.” - Überschrift des Interviews. (beide lachen)