KONZERTBERICHT: BLOND @ E-Werk Erlangen

Von Alisa Knoll | 26.01.2024

Das Chemnitzer Trio BLOND ist aktuell wieder auf Tour durch Deutschland. So machten sie auch am 18. Januar Halt im fränkischen Erlangen und gaben zum Besten, weshalb sie vergangenes Jahr den Preis für die beeindruckendste Liveshow gewonnen haben.

Foto: (c) Sarah Weinberg | @sarahwhoeverphoto
Foto: (c) Sarah Weinberg | @sarahwhoeverphoto

Der Saal und das Publikum wurde mit lautem, gitarrenlastigen und schroffen Punkrock-Sound des weiblich gelesenen Duos CAVA eingeheizt. Die Sängerin betonte in einer ihrer Ansagen, wie wichtig die Sichtbarkeit von FLINTA* Menschen auf und hinter den Bühnen ist. Das sah das Publikum genauso und reagierte mit Applaus. Mindestens genauso viel Applaus gab es, als die beiden Musikerinnen ihre Position und Instrumente tauschten. Die Supportband hinterließ einen bleibenden Eindruck und Sängerin Peppi lies sich für eine Coverversion von Mando Diao mit BLOND später am Abend noch ein weiteres Mal auf der Bühne blicken.

 

In der Pre-Show Playlist läuft der Klassiker “Nur ein Wort” von Wir sind Helden. Die Menge gab hier schon eine kleine Kostprobe ihrer Gesangstimme. Licht aus. Die Band betritt unter Jubel die Bühne. Diese ist ähnlich wie die Musiker:innen in Tüll und prächtigen Farben gehüllt. Das Bühnenbild lässt sich als Korallenriff oder Blumenwiese deuten. Die Outfits von Lotta (Drums/Vocals), Nina (Vocals/Gitarre) und Johann (Bass) verschmelzen förmlich mit dem Bühnenbild. Sie eröffnen das Set mit “Durch die Nacht” - auch der erste Song ihres aktuellen Albums “Perlen”.

Foto: (c) Sarah Weinberg | @sarahwhoeverphoto
Foto: (c) Sarah Weinberg | @sarahwhoeverphoto

Bei den Fans herrschte durchweg große Begeisterung für die Musiker:innen. Das zeigten sie ihnen, indem sie zwischen den Liedern den “Auf geht’s Blondies kämpfen und siegen”-Sprechgesang anstimmten. Eine BLOND-Show hebt sich von einem normalen Konzert ab. Stichwort: Outfitwechsel. Davon gab es nicht nur einen und die meisten davon passierten während Mensch blinzelte oder der einstudierten Tanz-Choreos. Die Menschen brachten unzählige Schilder mit, die mit Insidern, lieben und lustigen Worten beschrieben waren. Lotta und Nina nahmen sich auch den Moment, um alle Schilder besten Gewissens vorzulesen und wertzuschätzen. Aber auch eine Unterhose, auf der “I ♥ Lotta” geschrieben stand, bekam Anerkennung.

 

Ebenso stellte sich die Formation eine Frage, die sie schon länger beschäftigt und sie hofften auf Antwort in Erlangen – “Habt ihr Bock auf Stress?” rufen sie in die Mikros. Die ersten Töne von “Oberkörperfrei” ertönen. Ohne großes Zögern öffnete sich erneut ein Moshpit. Der gebildete Kreis funktionierte zuerst als Manege, denn jede:r konnte dort ein Kunststück vorführen. Nach Aufforderung versuchten sich vereinzelt die Fans daran, ihren Ellenbogen zu lecken. Die Konzertbesucher:innen sind generell motiviert und begeistert dabei, die Aufforderungen von Lotta und Nina umzusetzen. So stehen hunderte von Leuten im E-Werk und drehen sich um die eigene Achse oder imitieren Adler-Geräusche. Denn das alles hilft bekanntermaßen (der Band) gegen Periodenschmerzen. Die Aktion leitet über zu “Es könnte gerade nicht schöner sein” – das ist nicht nur der Songtitel, sondern beschreibt auch gut die tobende Menge und den Circle Pit, der sehr ausgelassen, aber harmonisch sich im mittleren Bereich abspielte.

Die Liebe zum Detail sticht sehr hervor: angefangen bei Bühnenoutfits, über Choreos bis hin zum Bühnenbild und Licht. Das Ganze wird dann noch von einem Seifenblasenregen untermalt, wie z.B beim Song “immer lustig”, als Nina ihre Gitarre an Lotta, die eigentlich Drums spielt, abgibt und herzergreifend singt. Das Publikum reagierte mit großen Jubel und Nina scherzte, sie glaube, eine Seifenblase habe sie im Auge getroffen, anders kann sie sich die nassen Augen nicht erklären.

 

Lotta stimmte noch einen Chor in verschiedenen Tonlagen an, bevor wir uns langsam dem Ende der eigentlichen Show zu neigten. Das Publikum zeigte mindestens genauso viel Einsatz wie die drei Musiker:innen auf der Bühne. Vor der Zugabe gaben sie noch "Sanifair Millionär" zu ihrem Besten, mit vielen Tanzeinlagen und blinkenden Kleidern.

Im großen Finale, der Zugabe, gab es natürlich noch einen weiteren Outfitwechsel. In hochzeitsähnlichen Gewändern betraten sie erneut die Bühne und gaben noch einmal alles. Abgerundet von einer brennenden Blockflöte und gehüllt in erneutem Seifenblasenregen, fand das Konzert langsam ein Ende und Mensch blickte in zufriedene, glückliche Gesichter - vor und auf der Bühne.

 

Eine BLOND-Show ist nicht nur Party, sondern auch gleichermaßen ein Safe Space. Die Stimmung war durchweg harmonisch, empowering und unterstrichen von ihrer humorvollen Art. Es hat eine therapeutische Wirkung, wenn du in der Menge stehst und lautstark die Texte über Periode, Mental Health und Sexismus mitsingst. Die Musiker:innen schaffen es, die Schwere der gesellschaftlich relevanten Themen mit ihrem Humor, den eingängigen Refrains und ihrer Performance zu untermalen, sodass sie sich für den Moment des Konzerts etwas leichter anfühlen.