Rockstah ist auf “Pubertour“ - wir haben ihn bei seinem Tourstart in Stuttgart getroffen.

Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?

Ich komme aus einem Musikerhaushalt. Mein Vater war Musiker und deshalb hatte ich immer schon einen Bezug dazu und wollte auf die Bühne. Eigentlich wollte ich Theater und Comedy machen, aber damit bin ich mal ziemlich böse auf die Fresse geflogen und bin dann zum Hiphop gekommen.

Ich war mal bei so einem Freestylebattle, wo ich dann auch gewonnen habe und dann dachte ich „okay, ich fange jetzt an mit Rap“. Das hat sich so entwickelt. Ich habe immer gesucht, getestet, wo kann man lang gehen, wo passe ich hin. Hab dann meine Nische gefunden und seitdem mache ich das auch sehr gerne.


Zocken oder Musik?

Bestenfalls beides. Das kann ich ja auch ganz gut kombinieren. Ich kann das eine machen, während ich das andere mache. Wenn ich nicht zocken würde, hätte ich nicht so viele Themen für meine Musik und wenn ich nicht Musik machen würde, könnte ich mir keine Spiele leisten. (lacht) Deswegen ist das ein sehr toller Kreislauf, den ich mir da erstellt habe.


Wie war die Albumproduktion?

Das war eine ganz große Phase, in der sehr viel Druck auf mir gelastet hat, weil jeder was von mir wollte und niemand so richtig wusste was mit Rockstah passieren soll. Und es gab natürlich noch ganz viele andere tolle große Hipsterrapper, das war eine ganz komische Zeit. Dazu war es sehr unkoordiniert, man wusste nicht, was man mit sich machen soll und deshalb hat das Ganze dann etwas länger gebraucht, bis ich wusste, was ich mit der Platte machen will.

Und zur Produktion; wir sind im Oktober 2013 ins Studio und waren im März draußen. Das heißt wir haben schon vier - fünf Monate intensiv daran gearbeitet.


Was für Feedback hast du zu dem Album bekommen?

Eigentlich recht Gutes. Nur ich hätte das Album gerne ein Jahr früher raus gebracht und deshalb ist mein eigenes Feedback weniger gut. Die Platte war ein Jahr vorher fertig und da haben dann viele Faktoren reingespielt, die das Ganze herausgezögert haben. Aber die Kritiken von außerhalb waren nie so “öh scheiße“. Klar gibt es Fans, die sich da was anderes erwartet haben, aber allen kann man es ja nie recht machen. Deshalb ist es am wichtigsten, dass man selbst damit zufrieden ist, sonst wird man ja nie fertig.


Hast du einen Lieblingssong von deinem Album?

Ich mag alle die sehr dreckig sind, also König Außenseiter, Pubertät... Verschwende deine Jugend finde ich live total super.

Es gibt eher zwei Songs, die ich nicht so gut finde; das sind LOL und VUP. Das waren auch die ersten Songs die ich fertig hatte fürs Album und irgendwann findest du deine eigenen Sachen auch zum Kotzen.

Aber wie gesagt, Verschwende deine Jugend, Pubertät und König Außenseiter mag ich sehr und da bin ich auch ziemlich stolz drauf. Die sollen dann auch so der Leitfaden fürs nächste Album sein.


Wer sind deine drei Lieblingsmusiker?

Childish Gambino, also Donald Glover der auch Schauspieler ist, den finde ich großartig! Death From Above 1979, ist eine Indie-Hardcore Band, die aus zwei Menschen besteht und überkrass ist. Eine meiner Lieblingsbands. Und, noch jemand deutsches, Shindy!


Was magst du mehr; Clubshows oder große Festivals?

Große Festivalbühnen sind immer ziemlich geil, wenn auch davor jemand steht, dann ist´s richtig geil. (lacht) Bei kleinen Clubkonzerten sind halt viele wegen dir da. Wenn du noch nicht Casper bist, stehen bei Festivals auch ganz viel Leute, die einfach nur so da sind. Da hat man dann nicht so viel Feedback.

Ich hab letztens auf einem Festival vor 400 Leuten gespielt, die waren wie angekettet auf dem Boden. Das war die Hölle. Da sagt man so “hey klatscht doch mal“, “springt doch mal“, “macht wenigstens euer Handylicht an“. Null Reaktion!

Das passiert aber in den seltensten Fällen, also normalerweise sind die Leute schon cool. Zum Beispiel auf dem Gamescom-Festival, da haben wir vor Prinz Pi gespielt und die meisten Leute waren eben wegen dem da, aber die hatten richtig Bock. Das waren ein paar tausend Menschen und total cool drauf.

Aber den kleinen schmutzigen Clubgig kenne ich mehr, also würde ich den vorziehen.


Was war dein schönstes Festival 2014?

Das Gamescom-Festival war schon sehr sehr gut. Das war eh eine ziemlich krasse Woche für mich, weil ich für “Call of Duty“ gearbeitet habe die ganze Woche und hab dort sehr viel erlebt. Da war das so der perfekte Abschluss, auf der Gamescom zu spielen mit Prinz Pi.

Ansonsten, mein erstes Festival 2014, das Schlossgrabenfest in Darmstadt war sehr schön, weil das quasi meine Heimat ist, also um die Ecke halt. 2013 hatten wir eine schreckliche Festivalsaison. Das war mit der alten Band noch und wir haben uns alle nicht mehr so gut verstanden, da war das alles ziemlich ätzend. Und das Schlossgrabenfest war dann das erste Festival mit der neuen Band und alle waren gut drauf.

Die zwei Festivals fand ich schon richtig richtig gut, es gab aber noch mehr. Kurt Festival war auch schön, da war die Stimmung super.

Ah ja und Bochum Total war total krass noch.


In welchem Actionfilm willst du unbedingt mitspielen?

Guardians of the Galaxy“. Ich wäre gern ein Waschbärfreund. (lacht)


Hast du Rituale vor deinen Shows?

Ich trinke immer einen kleinen Schnaps. Und ich sage in der Regel immer, dass ich keinen Bock habe. Jedes Mal stehe ich hinter der Bühne und sage: “Ne ich hab kein Bock, ich hab gar kein Bock jetzt“.


Und meinst du das wirklich ernst?

Ne, das ist einfach nur so von wegen, ich wäre jetzt viel lieber Zuhause. Grad wenn ich Angst habe, sag ich das. Also das ist eigentlich nur ein Zeichen von Angst und Respekt, da nach draußen zu gehen. Nicht weil ich keinen Bock allgemein habe, sondern weil ich kein Bock hab, auf die Fresse zu bekommen. Wie bei so Festivals, wo dann 400 Leute stehen, die dich nicht feiern.

Aber heute wird bestimmt gut, weil heute sind ja ganz viele wegen mir auch da.


Ja, wahrscheinlich alle. Es ist ja dein Konzert.

Wahrscheinlich alle, stimmt. Könnten aber auch ein paar wegen meinem Gitarristen da sein, weil der schön ist. (lacht)


Mit welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten? Egal wie berühmt derjenige ist.

Ich würde mega gerne mit dem vorhin genannten Childish Gambino zusammenarbeiten. Das ist der beste Künstler der Welt. Schauspieler, Comedian, Redakteur, der hat ganze Staffeln von “30 Rock“, einer meiner Lieblingsserien, geschrieben. Der kann einfach alles.


Was war so das Verrückteste das du bei einem Fan erlebt hast?

Es sind vor zwei Jahren mal zwei Mädchen mit Mc Donalds Essen zu mir vor die Haustür gekommen und haben während ich grade das Treppenhaus meiner Eltern geputzt hab, geklingelt. Ich hatte nur Shorts an und ein Tshirt und dachte, es sei die Post. Hab die Tür aufgerissen und dann standen die da; “hier wir haben Mc Donalds Essen“. Total aufgedreht. Die waren halt aus Darmstadt und beide noch minderjährig und haben ihrem Vater einfach erzählt, also das war unter der Woche, dass am Mittwoch Mittag um 16 Uhr ein Rockstah Konzert in Rodgau wäre und haben sich von dem aus Darmstadt bis nach Rodgau fahren lassen. (lacht) Völliger Quatsch, Mittwoch Mittags ein Rockstah Konzert in Rodgau. Haben sich hier hin fahren lassen und gesagt, dass sei in zwei Stunden vorbei, dann holst du uns wieder ab. Standen dann vor meiner Tür mit Mc Donalds Essen, wollten sich mit mir unterhalten und auch noch reinkommen. Aber das hab ich natürlich nicht gemacht, das war mega unangenhem. Ich hab denen paar Sachen geschenkt und dann sind die zum Glück wieder gegangen.


Wie lang willst du noch Musik machen?

Das weiß ich nicht. Also ich hab musikalisch nicht mehr so viel vor, ich will lieber andere Sachen dann machen.


Zum Beispiel?

Ich mach ja zur Zeit sehr viel so redaktionell, Videospielredaktion und Moderations Zeug und so. Auf lange Sicht dann wahrscheinlich in die Richtung. Ich mein, ich bin jetzt 30 Jahre alt und kann maximal noch 10 Jahre Musik machen ohne, dass es albern wird. Irgendwann bist du so ein alter Mann, der auf der Bühne steht, mit tiefhängenden Hosen und der den Leuten erzählt er mache Hiphop. Das ist eher schwierig.

Mein Wunsch ist es, dass auf so einer gewissen Kombination laufen zu lassen, wie ich das auch immer mehr mache, mit dem ganzen Videospielzeug. Den Podcast mache, was ja alles auch so Herzensthemen sind.


Zocken > Ficken“, auch im realen Leben?

Das ist eine sehr private Frage. (lacht)

Kommt auf den Tag an. Ist auf jeden Fall nicht total gelogen, aber wahrscheinlich mehr, als manche denken. (lacht)


(c) Oktober 2014, Leonie